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KALKUTTA 1978
Kurz vor Mitternacht
sitze ich in einem Restaurant,
angefüllt mit Eindrücken
dieser riesigen Stadt,
ich bin hungrig
nach diesem langen Tag,
bestelle Reis mit Curry-Gemüse,
spreche mit anderen Globetrottern
...
das scharfe Essen brennt
in meinem Bauch wie ein Feuer,
ich zahle und
betrete die Straße,
schlafende Menschen
liegen auf den Gehwegen,
ein kleiner Junge
steht plötzlich vor mir,
seine Augen
flehen mich an: Hunger!
Ich kaufe ihm etwas
zu essen und gehe weiter.
Zwei Inder ziehen
schwere Lasten auf einem
zweirädrigen Karren,
sie wirken müde
und ausgezehrt.
Ich kehre in mein Hotel zurück.
Am nächsten Morgen
weckt mich der
Lärm der Straße,
die Gerüche indischen Lebens
dringen durch die Fenster,
ich
öffne
die
Augen.
Lyrik Hermann Krämer | April 1993
Im Mai 1978 bin ich nach
Bangkok geflogen und war dann viele Wochen in Thailand, Malaysia und Indonesien
(Sumatra, Java, Bali). Auf der Rückreise nach Deutschland ging es zunächst mit dem Flugzeug über Bangkok nach Rangoon in Burma (eine Woche Aufenthalt in Rangoon
und Mandalay) und dann weiter für vier Tage nach Kalkutta. Danach flog ich
nach Kathmandu.
Das Gedicht "Kalkutta
1978" ist erst viele Jahre nach dieser Asienreise entstanden, weil mir
diese Nacht in Kalkutta immer wieder ins Bewusstsein kam.
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