Gefangen in meinem Tourette-Körper

von Bienie

Ich wurde im Dezember 1974 in Hamburg geboren. Meine Krankheitsgeschichte beginnt mit Epilepsie-ähnlichen Schwindelanfällen, die mich von Geburt an bis zum zwölften Lebensjahr plagten. Meistens bekam ich diese Drehschwindelanfälle nachts im Schlaf. Bei jedem Anfall fühlte ich mich, als drohe ich ins Bodenlose zu stürzen, mein Kopf schmerzte entsetzlich. Nach solchen Anfällen musste ich mich immer den ganzen nächsten Tag lang erbrechen. Mindestens zwei Mal monatlich traten diese Anfälle auf. Meine Eltern konnten sich nicht erklären, was mit mir los war. Sie dachten, es läge nur an falscher Ernährung, weswegen sie erst mit mir zu einer Neurologin gingen, als ich elf Jahre alt war. Sofort wurde ein EEG gemacht, worin die Anfallsneigung erkennbar wurde. Und endlich bekam ich dagegen ein Medikament, woraufhin meine Anfälle nicht mehr auftraten. Heute ist mein EEG in Ordnung, diese Anfälle würden nur wieder kommen, wenn ich Alkohol trinken oder Drogen nehmen würde.

Viel schlimmer als jene Schwindelanfälle war jedoch das Gilles de la Tourette-Syndrom für mich, an dem ich im Alter von fünf Jahren ziemlich schwer erkrankte. Alles fing an mit einem harmlosen Grunztic, doch rasend schnell kamen innerhalb kürzester Zeit x-diverse andere Tics dazu, wie starkes Augenblinzeln, Schütteln des ganzen Körpers, Rucken, Zucken und In-den-Nacken-werfen des Kopfes, wildes Arme-in-die-Luft-werfen und anderen dabei den erhobenen Mittelfinger zeigen, Aufstampfen und Hüpfen mit den Füßen, ständiges Grimassieren und viele andere motorische sowie Schnief- und Räuspertics. Am unangenehmsten war mir mein Spuck-tic mit den im täglichen Rhythmus sich ständig genau wiederholenden, zwanghaften Touching- Ritualen, bei denen ich tausend Sachen immer genau sieben Mal mit den Fingern antippen musste ...

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