Mein Bruder lebt mit dem Tourette-Syndrom

Ich wünsche mir für meinen Bruder
und für uns alle hier an der Schule,
dass wir lernen, wie wir uns ohne Gewalt wehren können,
wie wir ohne Gewalt Probleme lösen können!

 

Tourette – die Tic-Attacke

Ich tue Dinge, die ich nicht tun will und ärgere Menschen, die ich gar nicht ärgern will.

Das ist eine Aussage eines Menschen, der am Tourette-Syndrom leidet.

 

Was ist Tourette?

TS (Abkürzung von Tourette-Syndrom) ist eine neurologische Erkrankung. Die 1825 zum ersten Mal beschriebene Krankheit wurde nach dem französischen Neurologen Georges Gilles de la Tourette benannt. Bestimmte Bereiche im Gehirn lösen die so genannten Tics aus. Es gibt "motorische Tics", z.B. Zuckungen am Körper (treten sehr häufig am Kopf auf), Augenrollen, Augenblinzeln, grimassierende Gesichtsbewegungen und "vokale" Tics, z.B. wiederholtes Räuspern. Jungen bekommen diese Krankheit 3-9 mal häufiger als Mädchen. Gewöhnlich tritt diese Krankheit im Grundschulalter das erste Mal auf und kann das ganze Leben bestehen bleiben. Doch in der Regel ist es so, dass sich die Tics mit zunehmendem Alter abschwächen. Wenn bei einem TS-Kranken die Tics auftreten, ist es unmöglich, sie zu kontrollieren.

 

Wieviele Menschen in Deutschland haben TS?

Hierzu gibt es nur Schätzungen. Wahrscheinlich sind es deutlich mehr als 40.000 Betroffene. Es wird vermutet, dass auch berühmte Persönlichkeiten wie Napoleon und Mozart, sowie der ehemalige amerikanische Basketballspieler Mahmoud Abdul-Rauf davon betroffen waren bzw. sind. 

 

Mein Bruder und seine Tourette-Erkrankung

Hallo, ich bin Sindy (15) und habe hier an der Schule einen Bruder, der an TS leidet. Einige der oben im Bericht aufgezählten Tics sind bei ihm stärker oder schwächer ausgeprägt. Besonders auffällig sind seine Zuckungen im Gesichts- und Schulterbereich. Ständig zappelt er mit seinen Armen und Beinen. Es fällt ihm äußerst schwer, seine Hände ruhig zu halten. Da er zusätzlich zu seinem TS auch noch ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) hat, kann er sich nur sehr schwer konzentrieren oder sich Dinge über längere Zeit merken.

Er hat oftmals den Zwang, Dinge tausend Mal zu wiederholen oder Dinge so zu ordnen, bis es ihm gefällt. Gerade in der Früh, wenn er es eilig hat, sitzt er manchmal 10 Minuten am Boden und schnürt seine Schuhe solange, bis die Schnürsenkel gleich lang am Schuh herabhängen.

Er nimmt jeden Tag Tabletten, die ihm in der Schule und im Alltag helfen sollen. Trotzdem kann er nur schwer eine Grenze finden, wann er aufhören muss, z.B. seine Freunde zu ärgern (kitzeln, schubsen, pieksen, beleidigende Worte etc.). Oftmals versucht er, gewisse Leute einfach zu provozieren. Wenn er es schafft, ist er glücklich. Schafft er es nicht, macht er so lange weiter, bis derjenige aufgibt. Wenn man ihm sagt: "Hör auf", ist er beleidigt. Er weiß ja nicht, warum er aufhören soll. Dass sich andere angegriffen oder beleidigt fühlen, bekommt er nicht mit.

Die Schule strengt ihn sehr an: aufpassen, sich nicht ablenken lassen, schreiben, ruhig sitzen. Seine Tics setzen meist ein, wenn er sich allein, sicher und unbeobachtet fühlt. Wenn er zu Hause merkt, dass die Tics überhand nehmen, legt er sich ins Bett und versucht, so Ruhe zu finden.

Begegnest du meinem Bruder, möchte ich dir folgende Tipps geben:

  • Reagiere nicht aggressiv

  • Ignoriere sein "negatives" Verhalten

  • Versuche trotzdem, nett zu ihm zu sein

  • Lass ihn einfach in Ruhe

  • Oder gehe ihm aus dem Weg

Hat er sich "beruhigt" und ist wieder "normal", kommt er ganz von alleine wieder.

Mein Bruder sagt, er fühlt sich in der Schule nicht wohl, weil er glaubt, seine Mitschüler mögen ihn nicht und sind gegen ihn, weil sie ihn hänseln oder schlagen. Er begegnet natürlich auch Schülern, die selbst Probleme haben und aggressiv sind.

 

Q u e l l e :
Verfasserin: Sindy Pfeiffer
Schülerzeitung Hauptschule Gaimersheim
Ausgabe Juli 2007
Auflage: 1000

 

  Sindy